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"Müritz-Ötzi" bleibt Stolz der Biogas-Crew Drucken E-Mail
Montag, 10. November 2008 um 09:45 Uhr

Nordkurier am 1. April 2008

ENERGIE. Die als Gemeinschaftsprojekt von Stadtwerken und Gemeinde Rechlin errichtete Biogas-Anlage soll in wenigen Wochen in Probelauf gehen.

VON ELKE ENDERS

RECHLIN. Noch sieht es ein bisschen danach aus, als hätte ein Zirkus an der Jolly-Brücke seine Zelte aufgeschlagen. Ein grünes Planendach prangt weithin sichtbar über dem riesigen Beton-Rondell. Ein zweiter Beton-Ring wartet darauf, ebenfalls mit einer Plane überzogen zu werden.

Dann wird es nicht mehr lange dauern, und die erste hier erzeugte Kilowattstunde Energie kann ins Netz eingespeist werden. Die als Gemeinschaftsprojekt der Stadtwerke Neustrelitz und der Gemeinde Rechlin errichtete Biogas-Anlage geht in der 21. Kalenderwoche, also Mitte Mai, in Probelauf, verkündeten Frank Schmetzke, Geschäftsführer der Stadtwerke und Wolf-Dieter Ringguth (CDU) als Rechliner Bürgermeister gestern bei einer gemeinsamen Pressekonferenz vor Ort.

Und auch, wenn gestern einige Pressemappen übrig blieben, die Anlage hat bereits großes Medieninteresse gefunden. Und das nicht zuletzt durch die archäologischen Ausgrabungen, die die Bauarbeiten um gut zwei Monate verzögert hatten.

130 000 Euro Mehrkosten kamen auf die Stadtwerke zu. Für 50 Prozent der Summe wurden Förderanträge gestellt, so Schmetzke. Ein Teil der Mittel sei inzwischen eingetroffen. Doch trotz der Mehrausgaben sind die Bauherren in gewisser Weise auch stolz, einen "Müritz-Ötzi" auf ihrem Terrain gefunden zu haben – "der stammt immerhin aus der Jungsteinzeit", ruft Schmetzke das Ereignis in Erinnerung (der Nordkurier berichtete). Er kann sich gut vorstellen, im Zusammenwirken mit der Gemeinde und natürlich mit den Bodendenkmalpflegern, die "Müritz-Ötzi" in Obhut genommen haben, an geeigneter Stelle eine Ausstellung oder Informationsmöglichkeit zu installieren.

Doch zunächst geht es um die Stromerzeugung. Die Anlage, die mit 8000 Tonnen Maissilage pro Jahr aus dem näheren Umkreis gespeist werden soll, bringt 4,2 Millionen Kilowattstunden im Jahr an Strom hervor. "Das sind 10 Prozent der Neustrelitzer Stromversorgung", macht Schmetzke die Dimension deutlich. Dazu gesellt sich eine Wärmegewinnung von 2,2 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Der Gärrückstand, der fast geruchlos sei, werde von Landwirten als Dünger geschätzt. Angst vor Lärm brauchten die Anwohner nicht zu fürchten, die Anlage arbeite beinahe geräuschlos, das Blockheizkraftwerk sei gut gedämmt, hieß es. Jährlich würden durch diese Art der Energieerzeugung 490 Tonne Kohlendioxid eingespart – etwas, was Stadtwerke und Gemeinde bald in Form von Werbetafeln den Durchreisenden erläutern wollen. Schließlich sei die Biogasanlage als markantes Bauwerk irgendwie auch Symbol für Rechlin, sagte Ringguth.

 

 

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