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Energie-Ideen der Seenplatte preisgekrönt Drucken E-Mail

GEWINNER Mit Konzepten zur energetischen Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen geht die Region aus einem Bundeswettstreit siegreich hervor.

NEUSTRELITZ (HJG). Die Mecklenburgische Seenplatte und die Insel Rügen zählen zu den deutschlandweit 25 Gewinnern des vom Bundesministerium für Ernähung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) initiierten Wettbewerbs „Bioenergie-Regionen“.
Laut Ministerin Ilse Aigner (CSU), hätten die Preisträger mit ihren Konzepten gezeigt, wie man beispielhaft die energetische Nutzung nachwachsender Rohstoffe voranbringen könne. Diese Konzepte ließen sich von der Grundidee tragen, „Energie aus der Region für die Region“ produzieren zu wollen. Das BMELV unterstützt die Ausgezeichneten – ursprünglich hatten sich 210 Regionen an dem Auswahlverfahren beteiligt – in den nächsten drei Jahren bei der Umsetzung ihrer Bioenergie-Strategien mit jeweils bis zu 400 000 Euro.

Im Nordkurier-Gespräch betonte der Geschäftsführer der Stadtwerke Neustrelitz, Frank Schmetzke, gestern, dass in seinem Unternehmen schon längst Entscheidungen gefallen seien mit dem Ziel, Klimaschutz und Energiepolitik nachhaltig zu verbinden. So würden beispielsweise aus dem Biomasse-Heizkraftwerk 70 Prozent der Neustrelitzer mit umweltfreundlicher Wärme versorgt. Man mache in der „Initiative Landwerke Bioenergieregion Mecklenburgische Seenplatte“ mit, weil man Erfahrungen einbringen könne. “Zum anderen gehe ich davon aus“, so Schmetzke, „dass wir in einem aufzubauenden Netzwerk lernen, noch besser gemeinsam für die Umwelt global zu denken und dabei verstärkt lokal zu handeln“.

Nordkurier am 4. März 2009

Wer zuletzt lacht, lacht am besten

 

ENERGIE Konsequent verfolgen Akteure aus der Mecklenburgischen Seenplatte ihren Kurs, Wärme und Strom aus regenerativen Quellen zu gewinnen.

VON HANS-JOACHIM GUTH

NEUSTRELITZ. Andreas Tornow vom „Gutshof Biomassehof Varchentin“ (Landkreis Müritz) ist in Mecklenburg-Vorpommern seit Jahr und Tag ein Vorreiter in Sachen Energie-Zukunft. Er experimentiert mit Rapsöl, Holz- und Solartechnik und weiß, dass die Vorkommen fossiler Brennstoffe auf dieser Welt endlich sind. Vorreiter ist er – und wird in Zeiten, wo Menschen meinen, der sauberste Strom käme aus der Steckdose, dennoch gelegentlich ausgelacht. „Aber“, sagt Berthold Meyer, der Bürgermeister von Bollewick – unweit der Müritz gelegen – „wer zuletzt lacht, lacht am besten“.
Meyer sitzt im Büro von Frank Schmetzke, dem Geschäftsführer der Stadtwerke Neustrelitz. Vor den beiden liegt ein Schreiben, das Bundesagrarministerin Ilse Aigner ihnen zukommen ließ. Mit diesem Brief teilt die CSU-Politikerin mit, dass die Mecklenburgische Seenplatte in den kommenden drei Jahren eine von deutschlandweit 25 Modellregionen in Sachen Bioenergie sein wird. 400 000 Euro winken den Akteuren, man erwarte von hier aus einen Anstoß für nachhaltige Bioenergie-Strukturen und damit eine Unterstützung beim Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten und Wirtschaftskreisläufe, lässt die Ministerin die Gewinner wissen.
Schmetzke ist um die Erfüllung dieser Erwartung nicht bange. „Seit Jahren schon haben sich bei uns Landwirte, Wirtschaftsexperten, Unternehmensberater und Kommunalpolitiker mit dieser Thematik befasst“, weiß der Stadtwerke-Chef, dessen Betrieb – gleich dem von Andreas Tornow – auch so etwas wie ein Leuchtturm in Sachen Nutzung nachwachsender Rohstoffe ist. „Wir werden den Beweis antreten, dass diese Wertschöpfung in der Region für die Region möglich ist“, sagt Schmetzke selbstbewusst und weiß die Faktenlage auf seiner Seite. „Noch nie war die staatliche Unterstützung in Deutschland und Europa für alternative Energieerzeugung, die auf lokale Wertschöpfung und die Schaffung von Arbeitsplätzen setzt, das Klima schützt und Abhängigkeit von fossilen Quellen abbaut, besser als heute“, weiß der Fachmann. Ergo müsse man nicht auf große Energiekonzerne warten, ergänzt Berthold Meyer, „die uns heute schon über den Tisch ziehen.“
Meyers schon vor Jahren geäußerte Version von einem sich energetisch selbst versorgenden Dorf, soll jetzt auf die ganze Modellregion übertragen werden. Nicht genug damit. Ziel sei es, so Schmetzke und Meyer, sich aus einer Importregion für fossile Energieträger eine Eigenversorgungs- und Exportregion für erneuerbare Energien zu wandeln.
Wobei man nicht bei null anfängt. Schon heute produziert die Region 60 Prozent des Endenergieverbrauchs aus Wind und Biogas, aus Energie- und Altholz – überproportional im Vergleich zum deutschen Durchschnitt.
„Eigentlich könnte uns das ruhig in den Lehnstuhl fallen lassen“, kokettiert der Bollewicker Bürgermeister mit dem Ist-Zustand. Nur Meyer weiß auch um künftige Chancen. „Jeder Durchschnittshaushalt gibt pro Jahr etwa 3000 Euro für Energie aus – für Strom, Heizung und Tanken zu gleichen Teilen“, rechnet er vor. Würde ein Dorf mit 100 Haushalten die Wärmeversorgung aus Öl oder Gas einsparen, stünden 100 000 Euro für die Energieversorgung zur Verfügung, die dann in der Region bleiben, wenn heimische Biomasse oder Erdwärme durch lokale Investitionen und Dienstleistungen erschlossen würden. Das schaffe Umsatz und Arbeit und somit Steuern sowie kommunale Unabhängigkeit.
Für Meyer, Schmetzke und die Mitmacher in der „Bioenergieregion Landwerk“ ist deshalb die Finanzierung von Zukunftsprojekten aus Einsparung keine Utopie. Hochgerechnet auf 150 000 Haushalte in der Seenplatte kämen da selbst bei einem „nur“ 30-prozentigen Ausbaugrad bei regenerativer Wärme 50 Millionen Euro jährlich zusammen – Geld, das nicht aus der Region abfließe. Und – etwas rhetorisch – fragt Meyer, auf welche Summe sich eigentlich derzeit die Subventions- und Transferleistungen belaufen würden, die diese Region jährlich in Anspruch nehme. „Wir werden eine Antwort finden – nicht erst in drei Jahren“, prognostiziert Meyer. Sie wird die Richtigkeit unseres Weges belegen“.
Ab morgen auch unter: www.landwerk-e.de

Nordkurier am 1. April 2008

Zuletzt aktualisiert am Montag, 18. Mai 2009 um 09:24 Uhr
 

 

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